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Kuratierung Christoph Etzlsdorfer - Die Lieblingsfilme des MUVI-Kurators

Seit vielen Jahren bewegt sich Christoph Etzlsdorfer als Kurator des Österreichischen Musikvideopreises MUVI bei Vienna Shorts an der Schnittstelle von Film, Musik und visueller Kultur. Für seine Kuratierung im KINO VOD CLUB hat er eine Auswahl an Filmen zusammengestellt, die von starken Atmosphären, ungewöhnlichen Bildwelten und einer besonderen Verbindung von Sound, Rhythmus und Kino geprägt sind.

 

Christoph Etzlsdorfer ist Kurator, Festivalmitarbeiter und Mitbegründer des Österreichischen Musikvideopreises MUVI, der seit 2013 im Rahmen von Vienna Shorts vergeben wird. Bereits seit 2010 ist er Teil des Festivalteams und prägt seither insbesondere den Bereich Musikvideo und audiovisuelle Popkultur. Gemeinsam mit einem fünfköpfigen Auswahlteam kuratiert Etzlsdorfer jährlich den MUVI-Wettbewerb sowie internationale Musikvideoprogramme des Festivals. Dabei beschäftigt er sich intensiv mit den Schnittstellen von Film, Musik und visueller Kunst und setzt sich für innovative, experimentelle und künstlerisch eigenständige Arbeiten ein. Unter seiner Mitwirkung entwickelte sich der MUVI zu einer zentralen Plattform für österreichische Musikvideos und zu einem wichtigen Treffpunkt für Musiker, Regisseur und Filmschaffende. Besonderes Augenmerk legt Etzlsdorfer auf das gemeinsame Kinoerlebnis, kreative visuelle Konzepte und die Förderung neuer filmischer Handschriften innerhalb der Musikvideo-Szene.

Dieses Jahr freuen wir uns besonders, euch die österreichischen Gewinnerfilme der Musikvideo-Sektion der vergangenen Jahre in einem eigenen Programm präsentieren zu dürfen. Für seine Kuratierung im KINO VOD CLUB hat Etzlsdorfer Filme ausgewählt, die genau dieses Spannungsfeld widerspiegeln: Werke zwischen Pop, Horror, Experiment und emotionalem Kino, die mit visuellen Konventionen spielen, Genres verschieben und neue Perspektiven eröffnen. Seine Auswahl verbindet österreichisches Autorenkino mit Musikvideo-Ästhetik und zeigt, wie eng Film, Klang und Atmosphäre miteinander verwoben sein können.

Mein großes Interesse an Musik und Sound – und in weiterer Folge an der Verbindung mit einer visuellen Ebene – hat sicher auch mit meiner Entdeckung des Musikfernsehens in den 90ern zu tun. Als Kind von MTV wurde ich früh mit Hochglanz-Miniaturen zu Britney Spears-Songs ebenso konfrontiert wie mit experimentellen Clips zu Aphex Twin-Tracks und lernte beides zu schätzen und zu lieben. Seit der Gründung des Austrian Music Video Award bei Vienna Shorts bin ich Teil des Programmteams und bringe dort sowohl meine Liebe zur Musik als auch meine Begeisterung für ungewöhnliche audiovisuelle Ansätze ein. Als großer Horror- und Genre-Fan zieht es mich immer wieder zu Ästhetiken und Erzählungen, die – manchmal auf den ersten, oft erst auf den zweiten Blick – etwas Unheimliches oder zumindest Ungewöhnliches offenbaren und mit Erwartungen und Stereotype spielen oder diese gänzlich brechen.

Christoph Etzlsdorfer 2026

 

Brüder der Nacht
Regie: Patric Chiha

Mit präzisen Tableaus und in der Dunkelheit noch heller leuchtenden Farben nimmt uns Chiha mit in eine vielen wohl unbekannte Welt des Wiener Nachtlebens. Die hochglänzenden Bilder könnten auch direkt aus einem Musikvideo stammen.

Feminism WTF
Regie: Katharina Mückstein

Mit knallbunten Bildern, musikalischen Einspielern und cleveren Interviews schafft Mückstein eine ansprechende Aufarbeitung und Momentaufnahme feministischen Denkens und zeigt uns, wie wichtig das Festhalten daran auch weiterhin ist.

Florian Pochlatko: Musikvideos
Regie: Florian Pochlatko

Als früher Wegbegleiter von Vienna Shorts hat uns Florian Pochlatko immer wieder mit seinen Kurzfilmen und Musikvideos überrascht. Von sympathischen DIY-Werken bis zu ambitionierten Großproduktionen hat er alles mit Bravour durchgezogen und dabei auch viele jüngere Kolleg:innen inspiriert.

Die Geträumten
Regie: Ruth Beckermann

Die Prämisse ist so einfach, doch die Umsetzung der gewaltigen Worte von Ingeborg Bachmann und Paul Celan so kraftvoll, dass wir trotz des Verharrens an nur einem Ort mit jeder Minute mehr in das Geschehen und das Gesagte hineingezogen werden.

In 3 Tagen bist du tot
Regie: Andreas Prochaska

Zehn Jahre nach dem grandiosen SCREAM traut sich endlich auch ein österreichischer Regisseur, einen Teenie-Slasher zu drehen. Und was für einen! Prochaska zeigt uns, dass man auch auf oberösterreichisch einen hyperaktiven Horror-Klassiker für die MTV-Generation zaubern kann.

Menschenfrauen
Regie: VALIE EXPORT

VALIE EXPORT schafft hier das Meisterstück, die Essenz ihres subversiven Schaffens in bekömmlichere Form zu gießen, die jedoch nichts von ihrer Sprengkraft und Cleverness verliert.

To Close Your Eyes And See Fire
Regie: Nicola von Leffern, Jakob Carl Sauer

Nachdem Nicola von Leffern und Jakob Carl Sauer ihre Bildsprache in einigen der schönsten Musikvideos der letzten Jahre perfektionierten, übersetzen sie diese Ästhetik mühelos in einen wichtigen Film, dessen Relevanz aktuell täglich wächst.

Universalove
Regie: Thomas Woschitz

Mit diesem Film haben Woschitz und die Band Naked Lunch eine Liebeserklärung an die Welt, die Menschen und an die Liebe selbst geschaffen. Eindringliche Bilder und Begebenheiten gepaart mit emotionaler Musik. So kann ein gutes Musikvideo gerne auch 80 Min. dauern.

Credits: Porträt © Eszter Kondor