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Großer Schauspielpreis'26 - Hilde Dalik im Gespräch & ihre Lieblingsfilme
Ihre Lust am Spiel, ihr schauspielerisches Handwerk, ihre Genauigkeit, ihr unverwechselbarer Humor und zugleich ihre Fähigkeit zu Tiefgang zeichnen Hilde Dalik aus. Im Film wie auf der Bühne entfaltet sie eine außergewöhnliche Kraft – leise und eindringlich zugleich, getragen von Genauigkeit, Mut und großer Wahrhaftigkeit. Immer wieder beweist Hilde Dalik auf überzeugende Art ihre Bandbreite und auch ihr komödiantisches Talent.
Ute Baumhackl, Roland Koch, Christian Konrad, Sona MacDonald und Alexandra Makarová 2026
Herzliche Gratulation zum Großen Schauspielpreis der Diagonale 2026! Vorletztes Jahr hast Du den Preis als Moderatorin bei der Diagonale-Eröffnung übergeben, nun bekommst Du ihn selbst, was bedeutet der Preis für dich?
Ich freu’ mich sehr. Die Diagonale ist mein liebstes Festival – sympathisch, unprätentiös, überraschend und immer auch politisch.
Hast Du ein besonderes, persönliches Diagonale-Festivalerlebnis?
Die Diagonale ist für mich seit Jahren eine Mischung einerseits aus einer Achterbahnfahrt durch die österreichische Film- und Kunstszene, andererseits ein großes Familientreffen. Manchmal feiert man den österreichischen Film sogar bis in die frühen Morgenstunden und kann sich am nächsten Tag an nichts mehr erinnern. Woran ich mich aber lebhaft erinnere sind z. B. die Arbeiten von Lisl Ponger und die Künstlerin selbst, die ich vor 2 Jahren im Zuge ihrer Diagonale-Personale kennengelernt habe. Das besondere an der Diagonale ist, dass man hier auch Filme zu sehen bekommt, die sonst nicht im Kino laufen, und, dass immer auch Künstler:innen vorgestellt werden.
Du hast in deiner Karriere in über 50 Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt und dabei ein bemerkenswert breites Rollenspektrum abgedeckt. Nach welchen Kriterien wählst du deine Rollen aus? Gibt es eine Figur, die dir im Rückblick besonders nahe geblieben ist – und warum?
Ich hab’ ein großes Glück, dass mir so unterschiedliche Rollen mit so spannenden Regisseur:innen angeboten werden. Ich wähle meine Rollen nicht aus. Sie kommen eher auf mich zu. Allzu wählerisch kann man in diesem Beruf nicht sein, weil man muss ja auch die Miete bezahlen. Umso schöner, wenn die Angebote, die kommen, immer eine Herausforderung sind. Wenn Regisseur:innen in einem keinen Stereotyp sehen – so kann man das tun, warum man diesen Beruf ergriffen hat – sich verwandeln und die unterschiedlichsten Geschichten erzählen.
2021 wurdest du für deine Darstellung der SARGNAGEL mit dem Schauspielpreis der Diagonale ausgezeichnet. Humor gilt oft als besonders anspruchsvoll in der Schauspielkunst. Wie bist du an diese Rolle herangegangen, und wie sah dein konkreter Arbeitsprozess aus, um dieser Figur gerecht zu werden?
| Bei Sargnagel hatte ich das Glück, dass ich über einen Zeitraum von fast zwei Jahren verschiedene Drehbuchversionen lesen durfte. Da hat man natürlich viel Zeit, sich der Rolle bzw. in diesem Fall den beiden Rollen zu nähern. Je mehr Zeit es zum Vorbereiten gibt, umso besser ist es für mich. Da kann auch das Unterbewusstsein gut arbeiten, man beginnt, von den Rollen zu träumen und lernt sie dadurch intensiver kennen. Und natürlich hab ich alles von Stefanie Sargnagel gelesen. Ich war schon lange ein Fan von ihr, bevor ich die Anfrage zu dem Film bekommen hab. Ihr Humor ist ein wesentlicher Bestandteil des Films. |
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Frühe Aufmerksamkeit hast du 2009 mit der Rolle der Gretchen in Michael Glawoggers CONTACT HIGH. Wenn du von heute aus zurückblickst: Wie hat sich die österreichische Filmszene seitdem verändert? Und welchen Rat würdest du jungen Schauspielerinnen mit auf den Weg geben?
| Tut euch zusammen mit Filmemacher:innen, die wagemutig sind. Offen und großzügig. Die an ihre Vision glauben und trotzdem, oder gerade deswegen, offen sein können für Inputs und Ideen von anderen. Einen Film wie CONTACT HIGH, das sagen immer wieder Fans von dem Film, könnte man heute kaum mehr machen bzw. finanziert bekommen. Das stimmt mich doch nachdenklich. Der überdrehte Humor, die Bildgewalt, die absurde Komik, die Freude an der Komödie – das sind Dinge, die wir dringender brauchen denn je. Ein Film kann auch politisch sein durch seine Ausstrahlung, seine Aura, seine Wirkung. Ansonsten hat es viele Veränderungen zum Positiven gegeben: Es gibt mehr gute Rollen für ältere Schauspielerinnen und es gibt ein stärkeres Bewusstsein, was am Theater und beim Film geht und was nicht, Machtmissbrauch wird klarer erkannt und benannt. |
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Wie war für dich die Zusammenarbeit im Rahmen der Sex, Drugs & Rock’n’Roll-Trilogie, bei deren letzten beiden Teilen du Teil warst?

Bei CONTACT HIGH hab ich Michael Glawogger und sein Team kennengelernt: den Kameramann Wolfgang Thaler, die Donmartin-Supersets Renate Martin und Andreas Donhauser, die Kostümbildnerin Martina List und Michi Ostrowski als Drehbuchcoautor und Hauptdarsteller. Die Menschen beobachten zu können, deren Arbeiten ich schon lange bewundert hatte, war schon mal ein Geschenk. Ich bin dankbar, dass ich ein Teil davon sein durfte. Mich hat die Art des Denkens von Michi Glawogger fasziniert. Seine Filme wirken manchmal hart, ungeschminkt und ohne moralische Wertung. Man konnte ihn selbst auch nie in eine Schublade stecken. Seine offene Art, Menschen zu begegnen, hat mich immer sehr begeistert. Bei HOTEL ROCK‘N‘ROLL haben sich alle nochmal zusammengefunden, um die Trilogie unter Michi Ostrowskis Regie im Geiste des verstorbenen Michi Glawogger zu beenden und ihn dadurch auch zu feiern.
Du warst 10 Jahre auch Ensemblemitglied des Theaters in der Josefstadt. Inwiefern beeinflusst deine kontinuierliche Theaterarbeit dein Spiel vor der Kamera?
Für mich war immer das eine Inspiration fürs andere. Theater ist ein gutes Training. Man arbeitet acht Wochen intensiv an einem Stück, man spielt vor und interagiert mit einem Live-Publikum. Man lernt, alles mitzunehmen, was grad da ist, die inneren und äußeren Umstände werden Teil der Vorstellung. Gleichzeitig trainiert man, den Fokus aufs Wesentliche zu behalten. Beim Film lernt man dafür, sehr klein und leise zu spielen und trotzdem alles zu kommunizieren.
Hast du einen österreichischen Film, der dich besonders geprägt hat und deine Berufswahl mitentschieden hat?
Als ich ein Kind war, hat sicher die Sissi-Trilogie hat dazu beigetragen, später Indien. Aber auch Fernsehsendungen wie Projekt-X oder Sketche mit Otto Schenk waren sehr einprägsam für mich.
Woran arbeitest du aktuell – oder worauf dürfen wir uns in nächster Zeit von dir freuen?
Ich spiele bei der vierten Staffel von School of Champions mit, die wir gerade drehen, und bereite mich auf einen Film vor.
Vielen Dank!
Hilde Daliks Lieblingsfilme aus dem KINO VOD CLUB:
Mein Filmgeschmack ist sehr unterschiedlich. Von Cassavetes über Justine Triet bis Almodóvar. Grundsätzlich mag ich Filme, die gut ausgehen. Auch deshalb mag ich die Filme von Jacques Audiard. Er schickt seine Protagonist:innen zwar oft durch die Hölle, entlässt die Zuseher:innen aber dann mit einer großen Zuversicht, mit einem guten Gefühl.
Hilde Dalik, 2026
Filme, bei denen ich immer lauthals loslachen kann:
INDIEN von Paul Harather |
NACKTSCHNECKEN von Michael Glawogger |
PFAU von Bernhard Wenger |
Ein Film aus der österreichischen Filmgeschichte, den man unbedingt gesehen haben muss:
INDIEN von Paul Harather |
DER ONKEL [THE HAWK] von Helmut Köpping & Michael Ostrowski |
| Ein Film, der besonders für den Österreichischen Film steht:
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Mein österreichisches Filmhighlight des letzten Jahres:
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Favoritenvon Ruth Beckermann |
Veravon Tizza Covi & Rainer Frimmel |
Workingman’s Deathvon Michael Glawogger |
Zerschlag mein Herzvon Alexandra Makarová |
..ned, tassot, yossot…von Brigitte Weich |
Der Boden unter den Füßenvon Marie Kreutzer |
Der Fuchsvon Adrian Goiginger |
Elfriede Jelinek – Sprache von der Leine lassen von Claudia Müller |
Quo Vadis, Aida?von Jasmila Žbanić |

















