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BY WHAT ITS NEXT TO - Dialogische (Selbst-)Porträts als subversive feministische Erzählungen
„Everything is associations. Everything is altered by what its next to.”, erklärt Veronika Soul im Film INTERVIEW (1979, Caroline Leaf & Veronika Soul). Durch die jeweils eigene Animationstechnik finden die Künstler:innen Caroline Leaf und Veronica Soul dabei eine Sprache, um ihre Wahrnehmung voneinander auszudrücken. „This is a film about two people who make movies. Usually not about themselves.” Im fragmentarischen Dialog zwischen Leaf und Soul, in der Verschränkung zweier künstlerischer Praxen entsteht ein geteiltes Portrait.
Der Begriff Interview verweist dabei einerseits auf die dialogische Arbeits- und Erzählweise, wird von den Filmemacherinnen auch ganz wörtlich genommen: Eine fragmentarische Innenansicht beider Künstler:innen entfaltet sich. Dabei verrät das Porträtierte jeweils auch etwas über die Porträtierende, das Selbst bildet sich im Gegenüber – „everything is altered by what its next to.” Grenzen zwischen den Wahrnehmungen der Beiden sowie jene zwischen Innen- und Außenwelt verwischen dabei – durch die Potenziale von Animation, alles fluide und in ständiger Bewegung sein zu lassen!
Die Auseinandersetzung mit und Darstellung des Selbst in Relation zu dem, das Nahe steht, ist eine künstlerische Praxis, die sich auch in Maria Lassnigs Serie Soul Sisters (gestaltet zwischen 1972 und 1979) findet. In dieser Arbeit widmet sich die Künstlerin Frauen aus ihrem engen Umfeld, die auch ihr bildnerisches Werk fortlaufend durchziehen. Die Filme zeichnen die Protagonistinnen ebenso nach wie die Filmemacherin Lassnig selbst, die stets als kommentierende Erzählerin präsent bleibt. Ihre Sicht auf die gefilmten Frauen spiegelt sich gleichermaßen in Sprache und Bild und eröffnet einen Blick nicht nur auf Bärbl, Hilde und Alice, sondern auch auf die vermeintlich unsichtbare Porträtierende.
Diese dialogischen (Selbst-)Porträts verstehen sich dabei als feministische Gegenerzählungen: Jenseits reiner Repräsentation, Instrumentalisierung oder Fremdzuschreibungen durch eine männlich dominierte Kunst- und Filmwelt.
Den Potenzialen von Animation zur Gestaltung subversiver Selbstporträts verschreibt sich das Filmprogramm Flickering Selves, das Tricky Women Tricky Realities 2026 in den Kinos sowie online weltweit im KINO VOD präsentiert. Die darin versammelten Filme – unter anderem INTERVIEW von Leaf und Soul – präsentierten animierte Selbstporträts nicht nur als ein Mittel, dem Selbst nachzuspüren, sondern erlauben es, das Selbst in seiner Mehrdeutigkeit sowie ständigen Um- und Neuformung zu erfahren. Das Selbst als Subjekt wird ins Material eingeschrieben – greifbar und doch flüchtig, gefestigt und doch nie vollständig fixiert.
Text von Lisa Heuschober
Maria Lassnigs Filmreihe Soul Sisters sowie weitere ihrer Selbstporträts und animierten Arbeiten sind im Rahmen des Pre-Screenings von 18.02. – 29.03. im KINO VOD weltweit online verfügbar sein.
Flickering Selves online verfügbar ab 15.03. 19.00 (für 48 Stunden)
Maria Lassnig: (Selbst)porträts
Mit MARIA LASSNIG: (SELBST)PORTRÄTS zeigen wir 6 Kurzfilme, in denen sich die österreichische Künstlerin Maria Lassnig mit dem (Selbst-)Porträt auseinandersetzt. In Selfportrait porträtiert sich Lassnig mit beeindruckender Zeichentrickmontage und unverwechselbarem Humor. In der Serie Soul Sisters porträtiert die Künstlerin Frauen, die ihr auf verschiedene Weise eng verbunden waren und die auch immer wieder in ihren Zeichnungen und Gemälden auftauchen. Maria Lassnig betrachtet sie mit ihrer Kamera, und sie erwidern den Blick – eine Liebeserklärung an ihre Freundinnen. Beschlossen wird das Programm mit dem autobiografischen Filmessay Stone Lifting – A Selfportrait in Progress, der den oft steinigen Weg einer Künstlerin vom ersten Pinselstrich bis zur Ausstellung ihrer Werke dokumentiert.
Maria Lassnig: Animationsfilme
Mit MARIA LASSNIG: ANIMATIONSFILME zeigen wir 5 Kurzfilme, die die vielschichtige Arbeit der österreichischen Künstlerin Maria Lassnig im Bereich Animation in den 1970er-Jahren zeigen. Die Künstlerin Maria Lassnig lebte von 1968 bis 1980 in New York, wo sie ihre Leidenschaft für das Filmemachen entdeckte. Mit einfachsten Mitteln schuf sie in dieser Zeit richtungsweisende Kurzfilme, in denen sie ihr Konzept der „Body Awareness“ ins Bewegtbild übertrug. Setzt man ihre Filme in Beziehung zu ihren Zeichnungen, Gemälden und Schriftstücken dieser Zeit, so wird deutlich, dass Lassnig auf wiederkehrende Muster ihrer Kunst zurückgegriffen, sich aber gleichzeitig auch immer wieder neu erfunden hat.