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Leni Gruber & Alex Reinberg - Interview & Kuratierung
Die Shortynale und Alex Reinberg & Leni Gruber verbindet bereits eine kleine Erfolgsgeschichte: Ihr Kurzfilm HOLLYWOOD gewann 2022 den Preis für den Besten Österreichischen Film, den Publikumspreis sowie einen Spezialpreis für Hauptdarstellerin Marlene Hauser. Im Vorjahr war außerdem PREISWERTE LÖSUNGEN FÜR EIN BESSERES LEBEN im Wettbewerb zu sehen – beide Filme könnt ihr übrigens bei der Shortynale EXTENDED ansehen. Nun kehren die beiden mit der Serie SHEEP zurück, die das Festival am 18. August bei freiem Eintritt noch vor der Fernsehausstrahlung eröffnet.
Neben dem Interview gibt’s außerdem eine exklusive Kuratierung ihrer Lieblingsfilme aus unserem Repertoire, die ihr am Ende des Beitrages finden könnt!
Ihr wart bereits mehrfach bei der Shortynale zu Gast. Gibt es ein besonders prägendes Festival-Erlebnis, das euch geblieben ist?
Alex Reinberg: Das HOLLYWOOD-Screening damals auf der Shortynale war wirklich extrem cool, weil wir einfach gespürt haben, dass der Film gut ankommt und viel gelacht wird. Die Shortynale ist so professionell und trotzdem so familiär, das ist super besonders an dem Festival, finde ich.
Ihr arbeitet als Regie-Duo. Wie habt ihr gemerkt, dass ihr als Team funktioniert und wie teilt ihr euch die Arbeit?
Alex Reinberg: Wir haben uns auf der Filmakademie kennengelernt. Wir haben einen sehr ähnlichen Humor und einen sehr ähnlichen Dialekt. Wir waren die einzigen zwei, die sich gegenseitig verstanden haben. Ich komme eher vom Schreiben und von der Arbeit mit den Schauspieler:innen.
Leni Gruber: Genau, also wir machen prinzipiell alles gemeinsam. Ich habe neben der Uni viel am Set gearbeitet und fühle mich sehr wohl mit der Kamera und den visuellen Dingen.
Wie ist SHEEP entstanden und was steckt hinter der Idee, eine Welt zu erzählen, in der die Schafe glauben, die Menschen domestiziert zu haben?
Leni Gruber: Wir wurden von einer Produktionsfirma gefragt, ob wir eine Miniserie für das ZDF-Kleine Fernsehspiel machen wollen und was wir uns mit einem politischen Bezug vorstellen können. Wir haben lange überlegt, dann hatte Alex eine persönliche Geschichte aus seiner Jugend, die uns ein bisschen Inspiration gegeben hat.

Alex Reinberg: Ich war als junger Bub auf Urlaub in der Steiermark. Dort gab es ein Flaschenlamm, das ich mit der Hand füttern durfte. Im nächsten Jahr war ich wieder dort und habe mich gefragt: Wo ist mein Flaschenlamm vom letzten Jahr? Dann habe ich auf meinen Teller geschaut. Da habe ich zum ersten Mal gecheckt, wie das funktioniert.
Stimmt es, dass eure tierischen Stars aus Niederösterreich kommen? Wie findet man die perfekten Schafe für so einen Dreh?
Alex Reinberg: Wir waren länger beim Reinhardt-Seminar. Da gibt es keine Schafe. Da haben wir uns gedacht: Was machen wir genau? Dann sind wir auf Katja Havlicek von Filmtiere gestoßen.
Leni Gruber: Das ist eine Tiertrainerin. Katja hat fünf Flaschenlämmer zu sich geholt. Die sind von der Mutter abgestoßen worden. Sie hat sie mit der Hand aufgezogen und ein Jahr lang trainiert. Unsere Statist:innen oder auch Hauptschafe kommen von einem Therapie-Schafhof. Das sind Therapie-Schafe. Da kommen regelmäßig Schulklassen hin. Da wird mit den Jugendlichen und den Schafen gearbeitet.
Was war besonders herausfordernd an der Arbeit mit den Schafen?
Alex Reinberg: Sie waren nicht so textsicher. Das war auf jeden Fall ein Problem. Besonders spannend war aber, dass alles so entschleunigt wurde. Wir haben uns nach den Schafen gerichtet. Das Schaf macht die Dinge dann, wenn es das machen will, und nicht, wenn man es dann braucht. Was aber herausfordernd war: Sie waren den Menschen schon so gewöhnt, dass das alles nichts mehr Spezielles hatte. Wenn man die Blicke locken musste, war den Schafen teilweise schon so fad und die Regieassistenz hat dann schon Schimpansen imitiert, sehr lautstark, damit sie zumindest irgendwie herschauen. Das hat bis zum Schluss nur halbwegs funktioniert. Wir haben dann auch getwerkt mit Wärmewannen, damit die aneinander klatschen und sowas, aber das ist hoffentlich nie gefilmt worden.
Hat diese Erfahrung euren Blick auf Tiere oder auf das Filmemachen verändert?
Leni Gruber: Ja, auf jeden Fall. Alex ist Vegetarier geworden nach der Serie. Die Schafe haben eine irrsinnige Entschleunigung ins Set gebracht, was im Filmemachen sehr selten der Fall ist.
Alex Reinberg: Was auch noch sehr spannend war, das war mir früher nicht so bewusst: wie unterschiedliche Persönlichkeiten Tiere haben. Auch diese Schafe. Natürlich sprechen da jetzt quasi Menschen, aber wir haben teilweise schon die Charaktere der Schafe auf die Rollen besetzen können. Das war wirklich extrem erstaunlich. Man sieht quasi die Persönlichkeit an dem Tier, was ja eigentlich für uns oftmals eher menschlich konnotiert ist.
Wie findet man die passenden Stimmen für die Schafe und wie habt ihr Schauspieler:innen wie Birgit Minichmayr, Verena Altenberger, Jella Haase oder Merlin Sandmeyer für SHEEP gewonnen?
Leni Gruber: Tatsächlich hatten wir schon viele dieser Stars relativ früh im Kopf. Wir haben die auch relativ einfach bekommen, weil sich der Aufwand für solche Darsteller:innen ja in Grenzen hält. Sie kommen dann teilweise ein bis drei Tage ins Tonstudio. Sie sind aber auch super interessiert, den Nachwuchs kennenzulernen. Ich glaube, die Bücher haben auch die Agenturen überzeugt.
Alex Reinberg: Merlin Sandmeyer, der das Protagonisten-Schaf spricht, hat irgendwann begonnen, mit seiner menschlichen Stimme zu blöken, wie ein Schaf. Das ist wirklich grandios. Es klingt so „schafisch“, aber man merkt trotzdem, dass es Merlin ist. Das hat es dann auch in die Serie geschafft – in mehreren Momenten.
Was sollte nach dem Abspann beim Publikum bleiben?
Alex Reinberg: Das Gefühl, dass gewisse Sachen es wert sind, dass man für sie einsteht und aufsteht. Zum Beispiel Gemeinschaft.
Und woran arbeitet ihr als Nächstes?
Alex Reinberg: Ob man sich darauf freuen kann, das weiß ich noch nicht. Aber wir arbeiten gerade an einer Stoffentwicklung für einen Langfilm. Und es gibt ja noch zwei Serienprojekte.
Leni Gruber und Alex Reinberg präsentieren uns auch noch ihre liebsten Filme aus dem KINO VOD CLUB!
Der österreichische Film hat Ecken und Kanten. Wirkt oft schräg, unbequem und ist vielleicht auch deshalb manchmal unglaublich komisch.

Welchen Kurzfilm würdet ihr euch als Langfilm wünschen?
| Alex: Florian Pochlatkos Kurzfilm ERDBEERLAND war damals ein ganz besonderes Seherlebnis für mich. Ich war gerade erst an der Filmakademie, und die Arbeit mit Laiendarsteller, verbunden mit einer beinahe genrehaften Coming-of-Age-Erzählung, hat mich einfach gecatched. Bonus: ein unvergesslicher Cameo der österreichischen Musikerlegende Waterloo. | ![]() |
| Leni: Ich bin zwar auch Erdbeerland-Fangirl, würde aber noch ZUFALL & NOTWENDIGKEIT ins Rennen werfen. Laurin Saied verkörpert darin einen jungen Mann auf der Suche nach Identität und Herkunft und sein Spiel entwickelt eine richtige Sogwirkung. Ich könnte ihm locker 90 Minuten zusehen.
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Welcher Film hat euren Blick auf das Filmemachen nachhaltig verändert?
| Alex: Die Tragikomödie INDIEN war einer der ersten österreichischen Filme, die ich als Kind gesehen habe. Humor und Tragik so selbstverständlich aufeinander prallen zu lassen, hatte damals etwas komplett Eigenes, Unerwartetes für mich. Ich spürte, so fühlt sich für mich ein schöner Film an | ![]() |
| Leni: Bei mir war es LOURDES. Jessica Hausners Zugang war viel konzeptioneller als alles, was ich bis dahin kannte. Sylvie Testud spielt so minimalistisch, dass sie dir keine Gefühle aufzwingt. Ich musste beim Zuschauen quasi meine eigenen Gefühle und Fragen in sie hineinlegen. Das war ein ganz neues Seherlebnis für mich.
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Welcher aktuelle Film wird eurer Meinung nach in 20 Jahren als Klassiker gelten?
| Alex: Ruth Beckermanns Langdokumentarfilm FAVORITEN übersetzt ein abstraktes gesellschaftliches Thema in konkrete, menschliche Konflikte. Dabei verhandelt der Film soziale Realitäten, ohne seine Protagonist:innen auf bloße Stereotypen zu reduzieren. Und in zwanzig Jahren wird man hier auf ein Stück Zeitgeschichte zurückblicken können.
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Welchen Film würdet ihr jungen Filmemacher:innen als Pflichtprogramm empfehlen?
| Alex: WILL MY PARENTS COME TO SEE ME. Gerade für Kurzfilmschaffende ist Mo Harawes Film eine echte Masterclass: ein eindringliches Thema, mit bewusst reduzierten Mitteln umgesetzt, ohne dabei vor Ambivalenzen zurückzuschrecken. Genau das verleiht dem Film eine Größe, die weit über seine Laufzeit hinausgeht. Für mich war das damals bei der Diagonale eine außergewöhnliche Kinoerfahrung.
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| Leni: BEATRIX von Milena Czernovsky und Lilith Kraxner. Wer mehr über den Umgang mit Zeit im Film lernen mag oder bereits Chantal Akerman-Fan ist, hat mit diesem Film sicherlich viel Freude. Und es ist ein super Beispiel, wie viel erzählerische Kraft in scheinbar unspektakulären Alltagssituationen steckt.
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