Sex Assistant Andrés González Majul, VE 2019, 21 min
Spanische OV (optional mit deUT oder enUT)
Lass mich fliegen Evelyne Faye, AT 2022, 80 min
Deutsche OV
SEX ASSISTANT von Andrés González Majul und Daniela Berlet ist ein radikaler Akt der Selbstoffenbarung. Das Paar aus Caracas, Venezuela, beide Rollstuhlnutzer:innen, dokumentiert über fünf Jahre hinweg ihre Suche nach Möglichkeiten, ihre sexuelle Beziehung zu leben. Der Film ist zugleich Liebesgeschichte, erotische Autobiografie und politisches Manifest. Er zei
Sex Assistant Andrés González Majul, VE 2019, 21 min
Spanische OV (optional mit deUT oder enUT)
Lass mich fliegen Evelyne Faye, AT 2022, 80 min
Deutsche OV
SEX ASSISTANT von Andrés González Majul und Daniela Berlet ist ein radikaler Akt der Selbstoffenbarung. Das Paar aus Caracas, Venezuela, beide Rollstuhlnutzer:innen, dokumentiert über fünf Jahre hinweg ihre Suche nach Möglichkeiten, ihre sexuelle Beziehung zu leben. Der Film ist zugleich Liebesgeschichte, erotische Autobiografie und politisches Manifest. Er zeigt, wie sie verschiedene Formen der Assistenz ausprobieren – von einer Sexarbeiterin über eine Physiotherapeutin bis hin zur Künstlerin Desirée Chique –, um schließlich eine Form zu finden, die ihren Bedürfnissen entspricht. Dabei geht es nie um "Hilfe" im paternalistischen Sinne, sondern um selbstbestimmte Gestaltung von Intimität unter Bedingungen, die von der Gesellschaft nicht vorgesehen sind.
Evelyne Fayes LASS MICH FLIEGEN erweitert den Blick von der intimen Zweierbeziehung auf vielfältige Formen des Sich-in-Beziehung-Setzens: zu Partner:innen, zu Arbeit, zu politischem Engagement, zu Zukunftsträumen. Der Film begleitet vier Menschen mit Trisomie 21 durch ihren Alltag: Johanna und Raphael, die heiraten und Kinder bekommen wollen; Andrea, die eine feste Anstellung als Altenpflegerin sucht; Magdalena, die Gedichte schreibt und politisch aktiv ist. Sie alle verbindet der Wunsch, als Menschen mit einzigartiger Persönlichkeit wahrgenommen zu werden – nicht als Vertreter:innen einer Diagnose, sondern als „Universum mit unendlich vielen Möglichkeiten", wie Faye es am Ende ihrer Tochter Emma-Lou wünscht.
Beide Filme folgen einem gemeinsamen Prinzip: Sie weigern sich, behinderte Menschen als Objekte des Mitleids oder der Fürsorge zu zeigen. Stattdessen fokussieren sie auf Agency, Selbstbestimmung, das Recht auf ein erfülltes Leben – auf Sexualität, Liebe, Partnerschaft, Familie, Arbeit, politische Teilhabe. Sie machen deutlich: Inklusion bedeutet nicht, Menschen in bestehende Strukturen zu integrieren, sondern anzuerkennen, dass es vielfältige Weisen gibt, Beziehungen zu gestalten, Intimität zu leben, Zukunft zu planen. Was hier sichtbar wird, ist eine Politik der Beziehungen: die Forderung, dass behinderte Menschen selbst entscheiden, wie sie leben wollen – mit wem, auf welche Weise, unter welchen Bedingungen. Es geht nicht darum, zu zeigen, dass behinderte Menschen „auch" lieben, arbeiten, träumen können – als wäre das eine Ausnahme oder Überraschung. Es geht darum anzuerkennen, dass diese Selbstverständlichkeiten systematisch verweigert werden, und den Kampf um ihre Anerkennung sichtbar zu machen.
SEX ASSISTANT macht dies durch radikale Intimität: indem das Paar die Kamera in ihr Schlafzimmer, ihre Beziehung, ihre Verletzlichkeit lässt. LASS MICH FLIEGEN macht dies durch Langzeitbeobachtung: indem Faye zeigt, wie ihre Protagonist:innen Tag für Tag, in kleinen und großen Gesten, ihr Recht auf ein selbstbestimmtes Leben einfordern.